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Die Wanderpreneur Familie stehen vor ihre Wohnmobile (RV)
Lauren Grijalva ist Bloggerin und ein Viertel der wanderpreneurs.com – einer Familie, die dauerhaft in ihrem Wohnmobil unterwegs ist. (RV* steht übrigens für Recreational Vehicle, was auf deutsch übersetzt Wohnmobil heißt.)

Von Lauren Grijalva

*Anmerkung der Redaktion: Rver sind Menschen, die ihr fixes Zuhause aufgeben, um mit dem Wohnmobil auf Dauerreise zu gehen. Sie arbeiten von unterwegs. In Amerika sind die Bezeichnungen RV für Wohnmobil, RVer für dessen Besitzer und RVing für die Beschreibung ihres Lebensstils üblich.

Meine vierköpfige Familie reist ganzjährig in einem Wohnmobil durch die USA und bewegt sich durchschnittlich alle 7–10 Tage. Es ist ein Lebensstil des ständigen Wandels und Abenteuers und wir haben festgestellt, dass wir entspannter, glücklicher und freier sind als je zuvor! Wir haben gerade die Zwei-Jahres-Grenze mit unserer Vollzeit-Reise erreicht und können uns ehrlich gesagt nicht vorstellen damit aufzuhören.

Es freut mich, dir mit diesem Artikel erzählen zu können, wie wir diese enorme Veränderung in unserem Leben geschafft haben und wie sich das Reisen in letzter Zeit aufgrund von Covid-19 verändert hat.

Wie es kommt, dass wir Vollzeit reisen können.

Unsere Familie lebte in einem Vorort von Atlanta, in einem schönen Haus mit Jobs, die wir genossen. Unsere beiden Kinder, Casen und Calista, besuchten die Grundschule einer erstklassigen Schule und wir hatten ein gutes Leben. Ein gutes, aber sehr geschäftiges Leben. Mein Mann Aaron und ich besaßen beide unsere eigenen Gewerbe, was uns Flexibilität gab, aber auch bedeutete, dass wir viel arbeiten mussten. Aaron gründete eine Firma, die Webseiten entwickelt, und ich gründete ein Foto-Business. Ich habe mich auf Porträts, Neugeborenen-Sessions und Events spezialisiert. Wir teilten uns ein Heimbüro, was in unserem Fall sehr gut funktionierte, da wir gut miteinander zurechtkommen.

Unsere Kinder Casen und Calista waren sich immer nahe und kamen ziemlich gut miteinander aus. Wir bemerkten trotzdem, dass sie mit zunehmendem Alter auseinander drifteten. Das lag wohl daran, dass sie jeweils ihre eigenen Freunde in der Schule und in der Nachbarschaft fanden. Sie übten beide Sport aus, sodass ihre Trainings- und Matchpläne zu unserem geschäftigen Leben beitrugen.

Wir hörten von zwei verschiedenen Familien, die ihre Häuser verkauft hatten und ab sofort in Wohnmobilen unterwegs waren. Wir fanden das Konzept immer cool. Und eines Tages drehte sich die Diskussion plötzlich. Wir fragten uns: „Was wäre, wenn WIR es versuchen würden?“ Wir erinnern uns nicht mehr, wer es als Erster vorgeschlagen hat. Das große Thema kam nur auf, da wir uns über die Vermietung unseres Hauses unterhielten.

Wir treffen gerade eine Entscheidung. Oder?

Wir wussten, dass einige Nachbarn gutes Geld verdienten, indem sie ihr Haus vermieteten. So kamen wir auf die Idee, uns für ein Jahr woanders aufzuhalten und unser Haus für diesen Zeitraum zu vermieten. Plötzlich ging es in dem Gespräch dann um das Leben in einem Wohnmobil. Wir waren überzeugt, dass es Spaß machen würde den Reset-Button zu drücken und alles für ein Jahr hinter sich zu lassen und zu reisen. Klar müssen wir weiterhin Geld verdienen, aber ohne den großen Faktor Hypothek und den ganzen Nebenkosten könnten wir auch unsere Kosten dementsprechend zurückschrauben. Das Leben wäre günstiger. Außerdem könnte Aaron seine vorhandene Webseite ausbauen und ich könnte einen Blog starten, in dem unsere Reise ganz einfach dokumentiert wird.

Das Vorhaben schien ein bisschen verrückt zu sein. Doch umso mehr wir darüber sprachen und nachdachten, desto verlockender war die Idee. Ich fing an mich mit dem Thema RVing auseinanderzusetzen. Viele Vollzeit-RVer habe ich in den sozialen Medien entdeckt und so ganz einfach verfolgen können wie sie leben. Eigentlich waren wir uns einig, dass wir das Vorhaben umsetzen wollen sobald sich alle Türen geöffnet haben. Und sie taten es. Sehr schnell sogar. 

Und nun drücken wir RESET.

Schnell war ein Mieter für das Haus gefunden, 90 % unserer Sachen gespendet oder mithilfe von Flohmärkten verkauft. Wir verkauften auch unser Auto und kauften uns stattdessen ein Wohnmobil und einen großen LKW damit wir das Wohnmobil auch ziehen konnten. Es war mir wichtig, keine Lagerkosten zahlen zu müssen. Deshalb wollte ich unseren gesamten Kram loswerden. Wenn wir zurückkommen, würden wir es schon neu einrichten. Aber würden wir denn je zurückkommen wollen?

Wir haben immer wieder den Rat gehört, gebraucht zu kaufen. Wir haben einen gebrauchten 2016 Coachmen Chaparral 390QSMB und einen 2014 Ford F-350 gekauft. Ich liebe es, zu renovieren! Also haben wir selbst Hand angelegt, um das Wohnmobil zu einem Zuhause zu machen. Wir haben die Wände gestrichen, Leuchten ausgetauscht, einige Möbel verändert, Fliesen hinzugefügt und vieles mehr. Den gesamten Prozess habe ich in den sozialen Medien dokumentiert und sogar einen Blog gestartet, um Follower*innen zu gewinnen, die von dem, was wir taten, fasziniert waren!

Ich investierte in einen Online-Blogging-Kurs, der von mehreren Digital Nomads unterrichtet wurde. Ich lernte alles, was notwendig war, um einen erfolgreichen Blog zu führen. Es war als würde ein Wirbelsturm durch unser Leben sausen. Alles ging sehr schnell. 

Im August erst sprachen wir mit einem möglichen Untermieter. Und schon am 5. November zogen wir uns in unserem neuen, mobilen und um einiges kleineren Zuhause zurück.

Es geht los.

Das Wohnmobil fährt los
Urheberrecht: Lauren Grijalva / @the.wanderpreneurs

Als wir losfuhren, haben wir bereits viele Dinge gewusst, bewusst recherchiert und vorbereitet. Diese Recherchearbeit hat sich gelohnt und uns viel geholfen. Zum Beispiel war es wichtig, mehrere Campingplatzmitgliedschaften zu erwerben, um Unterbringungskosten zu sparen.

Ich fing an die Kinder zu unterrichten (wir nennen es gerne „Roadschooling“) und so machten wir uns auf den Weg nach Westen. Unser erstes Ziel war Kalifornien. Wir wollten dort an Weihnachten Aarons Familie besuchen. Zur Vorbereitung haben wir uns die Routenoptionen angesehen, festgelegt was wir auf dem Weg sehen wollten und einige Vorab-Reservierungen vorgenommen.

Wie entscheidet man, wohin es gehen soll?

Zwei Kinder sitzen vor den Grand Canyon in der USA
Urheberrecht: Lauren Grijalva / @the.wanderpreneurs

Wir werden oft gefragt, wie wir uns entscheiden, wohin wir fahren und wie lange wir dort bleiben sollen. Viele Dinge beeinflussen unsere Route. Uns stellen sich Fragen wie: Gibt es jemanden, den wir vor Ort besuchen möchten? Gibt es einen bestimmten Nationalpark, den wir besuchen wollen oder einen schönen Ort, den wir schon immer sehen wollten? Sind reisende Freunde gerade in der Nähe? Nach diesen Kriterien treffen wir eine Entscheidung. 

Am liebsten bleiben wir eine Woche oder maximal zehn Tage am selben Ort. Das ist für uns die optimale Dauer, obwohl wir natürlich die Flexibilität haben länger zu bleiben. Unser Pläne ändern sich auch häufig spontan, je nachdem wie sehr wir die Gegend mögen. Die Flexibilität unseres Alltags ist großartig! Wir brauchen eigentlich nur Netzempfang während unserer Arbeitszeiten. Wir nutzen Prepaid Mobilfunk-Hotspots für das Internet. Ich dokumentiere alle Spots, die wir besuchen und schreibe Artikel über das RV-Leben für unseren Blog. 

Ich musste zwar leider meine bisherige Kundschaft von meinem Foto-Business aufgeben, kann jedoch weiterhin wunderschöne Landschaften fotografieren und unseren Blog damit füllen. Außerdem mache ich freiberuflich Content Kreation für verschiedene Marken und Webseiten, was ich als großen Segen sehe.

Die Schattenseite einer Vollzeitreise.

Die größte Herausforderung ist es, Arbeit und Spaß in Einklang zu bringen. Denn es gibt immer schöne und aufregende Dinge zu erleben, aber wir müssen trotzdem diszipliniert sein und die Arbeit erledigen. Außerdem warten da draußen so viele tolle Orte darauf entdeckt zu werden. Es würde länger als ein Jahr dauern alles zu sehen. Deshalb war auch schnell klar, dass ein Jahr nicht reichen würde. Wir beschlossen also weiterzumachen, bis es uns nicht mehr gefällt. Und nun, fast zwei Jahre später, ist aufhören keine Option mehr. 

Wir haben viele andere Familien getroffen, die ebenfalls Vollzeit in ihren Wohnmobilen reisen. Oft legen wir gemeinsame Strecken zurück und lieben es mit unseren Straßenfreunden zu leben. Wir haben festgestellt, dass die Wohnmobil-Community eine der freundlichsten, einladendsten und lustigsten Gruppen von Menschen ist, die wir je getroffen haben.

Wie der Coronavirus unseren Lebensstil beeinflusste.

Die Familie stehen vor die Bergen im Hintergrund
Urheberrecht: Lauren Grijalva / @the.wanderpreneurs

Covid hat unsere Reisen für eine Weile gestoppt. Wir waren in Florida, als das normale Leben zum Stillstand kam. Zum Glück gewährte uns der Wohnmobilpark, in dem wir uns zu diesem Zeitpunkt befanden, sechs Wochen lang Schutz. Wir waren in einem wunderschönen Park direkt am Fluss. Wir hatten unzählige Wanderwege und viel Platz um uns herum. Das war unglaublich.

Unser Plan für Frühling und Sommer 2020 war es, die Ostküste entlang zu fahren und große Städte wie Washington DC und New York City zu besuchen, um dann den Sommer in Maine zu verbringen. Verständlicherweise änderten sich diese Pläne und wir blieben einige Monate in der Nähe der Familie. So waren wir an einem sicheren Ort und konnten abwarten wie sich die Lage entwickelte.

Der Nordosten blieb länger geschlossen als andere Teile des Landes. Deshalb änderten wir unsere Pläne und fuhren einfach dorthin, wo wir noch hinfahren konnten. Die Möglichkeiten waren eingeschränkt und viele Dinge oder Sehenswürdigkeiten waren und sind noch immer nicht geöffnet. 

Wir besuchen immer noch Nationalparks, obwohl viele der Besucherzentren geschlossen sind. Sogar einige Wanderwege und Highlights in den Parks sind noch nicht für Besucher zugänglich.

Warum das Leben in einem mobilen Zuhause immer noch eine gute Option ist.

Wir sind der Meinung, dass Wohnmobile auch in unsicheren Zeiten eine sichere Art zu reisen sind. Egal wohin du gehst, du hast immer deine eigene Küche, dein Essen und dein eigenes Bad dabei. Du kannst abgelegene Orte besuchen und bei Bedarf Abstand zu anderen halten während du trotzdem neue Orte kennenlernst.

Wir lieben das Leben im Wohnmobil so sehr, dass wir es toll finden, wenn immer mehr Menschen Wohnmobile kaufen, um damit die Welt zu erkunden. Viele Menschen fühlen sich so viel sicherer als beim Fliegen, sie kommen mehr mit der Natur in Berührung und verbringen Zeit mit ihren Familien. Falls man das so sagen kann, ist die Entdeckung des Wohnmobils eine positive Seite der Pandemie.

Ich gehe davon aus, dass sich immer mehr Dinge des öffentlichen Lebens wieder öffnen werden. Hoffentlich werden die Menschen, die sich jetzt in das RVing verlieben, noch viele Jahre beim RVing bleiben! RVing hat unsere Familie näher zusammengebracht als wir es uns jemals erhofft hätten. Wir leben intensiver als je zuvor, obwohl wir mit viel weniger leben.

Innerseite des Wohnmobiles (RV)
Urheberrecht: Lauren Grijalva / @the.wanderpreneurs

Wir haben alles was wir brauchen und noch mehr. Das Leben auf 37 m² mit den drei Menschen, die ich am meisten liebe, ist eine der besten Erfahrungen meines Lebens. Ich hoffe, dass mehr Menschen es ausprobieren und sich genauso in diesen Lebensstil verlieben wie wir. Das Bloggen hat mir die Möglichkeit gegeben unsere Erfahrungen und die ganzen wunderschönen Orte, die wir besucht haben, mit der Welt zu teilen.

Ich hoffe, diese Erfahrungen weiterhin mit anderen teilen zu können. Mein Ziel ist es, möglichst viele Leute zu inspirieren loszuziehen und zu reisen!

Über den Autor

Lauren Grijalva und ihr Ehemann Aaron Grijalva betreiben einen Reiseblog namens TheWanderpreneurs.com. Zusammen mit ihrer 7-jährigen Tochter und ihrem 9-jährigen Sohn sind sie eine vollzeitreisende Familie! Lauren ist Fotografin und hat den gesamten Lebenswandel dokumentiert – von den ersten Schritten als Vollzeitreisende bis zur authentischen und lückenlosen Berichterstattung während ihrer Reisen mit all ihren Höhen und Tiefen.

Von Efia Sulter (aus dem Englischen übersetzt)

Efia Sulter, Autorin von diesem Artikel über Mikroaggressionen in Travel
Efia Sulte ist Autorin und Gründerin der Marke Effy Talks Life. 

Mikroaggressionen und indirekte Vorurteile sind beim Reisen weit verbreitet. 

Mit der Black Lives Matter Bewegung und den Morden an Breonna Taylor, George Floyd, Ahmaud Arbery und zahlreichen weiteren unschuldigen schwarzen Menschen, deren Familien immer noch für Gerechtigkeit kämpfen, ist es längst an der Zeit für einen Wandel. Marken suchen hastig nach Wegen, ihre Solidarität zu zeigen – und die Reiseindustrie bleibt eine der vielen, die erst zur Rechenschaft gezogen werden müssen. 

Hier geht es nicht nur darum, dass Unternehmen zwar von Schwarzen KundInnen profitieren, jedoch diese nicht in ihren Werbemaßnahmen repräsentieren. Hier geht es auch um die Reisenden, die von den rassistischen Strukturen, die weiße Haut bevorzugen, unbewusst profitieren.

Schwarze Menschen reisen auch

Effy sitz unter ein bunte Gebäude
Urheberrecht: Efia Sulter / @EffyShowsLife

Bevor ich angefangen habe, alleine zu reisen, habe ich Monate mit Recherche verbracht. Als ich dann Großbritannien verlassen habe, war ich an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht bereiter hätte sein können – zumindest war das mein Gefühl. Aber als ich dann unterwegs in der großen, weiten Welt war, fiel mir erst auf, dass ich mit meinen Vorbereitungen und Tipps von weißen ReisebloggerInnen und FreundInnen nicht weit kommen würde. Das war das erste Mal, dass mir richtig bewusst wurde, dass man nicht erwarten kann, dass eine weiße und eine Schwarze Frau auf Reisen gleich behandelt werden.

Während Weiße es gewöhnt sind, ihre Gesichter in Filmen, Reisemagazinen und auf Pressereisen zu sehen, ist diese Erfahrung für uns Schwarze einfach nicht gegeben. 

Was sind Mikroaggressionen? 

Während Spucken, angeekelte Blicke oder überhaupt die Verweigerung eines Dienstes die eine Herausforderung sind, sind Mikroaggressionen etwas heimtückischer und versteckter. Wenn Menschen an Rassismus denken, denken sie oft an Extremes und Unausprechbares, oder aber gleich weiße Kapuzenträger auf amerikanischem Grund. Aber es sind die scheinbar kleinen Vorfälle, die täglich vorkommen, die uns Schwarze Eines so richtig bewusst werden lassen. Dass, wo auch immer wir hingehen, es immer jemanden geben wird, der denkt, dass wir dort nicht hingehören. 

Wenn du dir unsicher bist, ob du im Gespräch mit Schwarzen Reisenden rassistische Mikroaggressionen verwendest, dann lies jetzt aufmerksam weiter, um zu verstehen, was mit den folgenden Äußerungen falsch ist. Auch wenn du sie selbst nicht verwendest, wird es dir behilflich sein, wenn andere es tun.

Warum? Weil jede leicht unangenehme Konversation, die du hast, bedeutet, wir werden ein ermüdendes Gespräch weniger führen müssen. 

Rassistische Mikroaggressionen, die du nicht mehr verwenden solltest:

Effy reist mit einem Koffer und erlebt Mikroaggressionen
Urheberrecht: Efia Sulter / @EffyShowsLife

#1: Wo kommst du WIRKLICH her?

Als Schwarze Reisende gibt es wirklich wenige Aussagen, die frustrierender sind als die Mikroaggression / Frage “Aber wo kommst du WIRKLICH her?”. Dieses “Unglauben” ist so tief in den Gesprächen verankert, dass ich meist nach der Antwort auf “Wo kommst du her?”, nur meine Luft anhalte und auf die Folgefrage warte. Die Frage, die nachprüft und nachfragt, um herauszufinden, warum ich, wenn ich doch aus Schottland komme, so … Schwarz aussehe? Es ist auch schon passiert, dass ich Lügnerin genannt wurde, was extrem schmerzhaft ist. 

Sag stattdessen: Woher reist du? Füge keine weiteren Fragen hinzu, die deutlich machen, dass die erste Antwort nicht war, was du erwartet hast. 

#2: Woher weißt du, dass es aufgrund deiner Hautfarbe ist?

Heutzutage ist es für mich fast überraschender NICHT am Flughafen aufgehalten und eine scheinbar willkürliche Kontrolle über mich ergehen lassen zu müssen. Wenn dir Schwarze Menschen erzählen, dass ihnen etwas aufgrund ihrer Hautfarbe passiert ist, dann hinterfrage es nicht. Diese Erfahrungen erfinden wir nicht, um Mitleid einzuholen. Diese gelebten und oft schmerzhaften Erfahrungen teilen wir, damit andere davon lernen und es besser machen können. Es ist verletzend, anzunehmen, wir wüssten nicht wie sich Rassismus anfühlt. 

Während weiße Reisende unwissend vom System, das Schwarze unterdrückt, profitieren, können wir nicht anders, als extra umsichtig und aufmerksam zu sein, wenn wir reisen. Wenn etwas schief geht, wissen wir nicht, was alles passieren könnte. 

Sag stattdessen: Ich kann mir nicht vorstellen, wie sich das anfühlen muss. Und: Es tut mir leid, dass du diese Erfahrung gemacht hast. Auch wenn du es nicht nachvollziehen kannst, nimmst du somit zumindest wahr und ernst, dass es passiert ist. Diese Anerkennung der Situation ist wichtig. 

#3: Hey, du bist Schwarz. Ich habe mich immer gefragt…

Schwarze Menschen sind kein Ersatz für Google. Ich bin schon an viele Orte gereist, wo ich plötzlich zur ortsansässigen Schwarzen Person wurde, der man alle Fragen stellen kann. Das ist mir extrem unangenehm. Es ist nicht unsere Aufgabe, weiße Menschen über Rassismus aufzuklären, über das N-Wort oder unsere Haare. Unsere Erfahrungen rufen oft schmerzhafte Erinnerungen hervor, ganz zu schweigen von Traumata. 

Sag stattdessen: Nichts! Google ist kostenlos. 

#4: Wo hast du Englisch gelernt?

Oder “Wie kann es sein, dass dein Englisch so gut ist?” Diese beiden Fragen fühlen sich herablassend an, da sie annehmen, dass Englisch nicht unsere Muttersprache ist, auch wenn es in den meisten Fällen so ist. Und auch wenn dem nicht so ist, bringt man Menschen dadurch in Verlegenheit oder stellt sie bloß. Es ruft erneut das Gefühl des “Anders-Seins”, des Distanzierens, hervor. Mit dieser Mikroaggression fühlt man sich, als würde man nicht dazu gehören. Es ist kein Kompliment, es zeigt der Person lediglich ihre Unterschiede auf und macht ihr diese bewusster.

Sag stattdessen: Schön, dich kennenzulernen. Ein netter, einfacher Einstieg in ein Gespräch, das Hautfarbe nicht zum Thema macht.

#5: Du bist so exotisch

Wir sind keine Tiere, die man im Zoo betrachtet oder mysteriöse Kreaturen, die man sammelt oder bestaunt. Schwarze Menschen als exotisch zu bezeichnen, entmenschlicht uns. Zusätzlich beinhaltet diese Mikroaggression, dass der “normale” Schönheitsstandard nicht-Schwarz ist. 

Sag stattdessen: Nichts! Es gibt keine richtige Art, das zu sagen. Wenn du eine Schwarze Person attraktiv findest, dann mach in deinem Kompliment die Hautfarbe nicht zum Thema. Du würdest auch nicht sagen “Ich liebe deine weiße Haut”. Also mach es auch nicht umgekehrt. 

Abschließende Gedanken zu Mikroaggressionen 

Effy steht im Schnee
Urheberrecht: Efia Sulter / @EffyShowsLife

Diese Liste ist nicht vollständig. Sie ist nur ein Auszug aus einem langen Register an Fragen, Äußerungen und Kommentaren. Es macht keinen Unterschied, ob du gute Intentionen dabei hast, denn wenn du auf der anderen Seite stehst, sind diese Äußerungen schlichtweg erschöpfend. 

Während uns Mikroaggressionen wie diese nicht vom Reisen abhalten, ist es trotzdem ein weiteres Thema, dem wir uns bewusst sein müssen. Oder der bittere Beigeschmack eines ansonsten grandiosen Trips. Vielleicht war dir das Lesen dieses Beitrags unangenehm – aber bedenke, dass uns dieses Unbehagen ein ganzes Leben begleitet. 

Ich teile diese Erfahrungen nicht, um irgendjemanden zu verurteilen. Ich möchte dich nur einladen, bewusst darüber nachzudenken, wo du unabsichtlich Vorurteile implizierst. Ich habe die Hoffnung, dass, wenn wir wieder unsere wunderschöne Welt bereisen können, wir es alle mit offenen Augen, offenem Geist und Verstand tun werden. 

Denke daran, dass wir alle verbunden sind. Wenn ein Mensch leidet, leiden wir alle. Wenn du ein*e Verbündete*r für Schwarze Reisende sein möchtest, dann führe deine anti-rassistischen Bemühungen fort – online und offline. Es ist vielleicht unangenehm und konfrontierend und kann dazu führen, dass du viele Dinge in einem anderen Licht sehen wirst.

Aber wenn wir uns weiterentwickeln und Fortschritte machen wollen, dann ist dies der einzige Weg – diese Dinge wahrzunehmen.

Über die Autorin

Efia Sulter ist eine Wellness- und Reisebloggerin sowie Autorin des E-Books Girl, Solo – A Modern Guide To Travelling Alone

Sie ist in Schottland aufgewachsen und lebt in Melbourne, Australien.

Sie engagiert sich für das Empowerment junger Frauen und das Leben jedes Moments mit ungebändigtem Mut. Ihre Marke Effy Talks Life (auf Instagram @effyshowslife) reflektiert diese Werte, indem sie weibliche Millennials inspirieren will, die Welt zu entdecken und das Leben nach den eigenen Regeln zu leben. 

Lese mehr von Efia auf ihrem Blog (englischsprachig).

Mehr aus der #BLM Gastbeitragsreihe

Diesen Juli haben inspirierende Schwarze Creators und Blogger den MyPostcard Blog übernommen, um über Rassismus, Mikroaggressionen und Diskriminierung beim Reisen und in der Reiseindustrie zu schreiben. 

Lies die ersten beiden Artikel dieser Reihe oder sei gespannt auf den Beitrag der nächsten Woche von Fisayo Olayinka-Bello, die über rassistische Stereotypen im afrikanischen Tourismus erzählen wird.