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Wer schreibt hier? Cheryl Howard von cherylhoward.com ist genau das, was man eine Superheldin nennen könnte: Agile Coach tagsüber und Reisebloggerin nachts – die Kanadierin erzählt uns hier von ihrem Umzug nach Berlin. Von ihrer Heimatstadt in Kanada in eine der aufregendsten und schnellsten Städte der Welt! Bisher hat Cheryl bereits 38 Länder besucht und sie ist noch lange nicht fertig mit dem Reisen…

Aus dem Englischen übersetzt. 

Es gab da eine Zeit in meinem Leben, in der ich dachte, ich werde Toronto niemals verlassen. Ich habe meine Heimatstadt geliebt (und tue das auch immer noch), aber es hat mir immer etwas gefehlt. Es hat auch ziemlich lange gedauert, bis ich herausgefunden habe, was es ist.

Also so grundsätzlich gesehen schien Alles eigentlich ganz gut zu laufen für mich. Ich hatte ein Haus, einen Job, nebenbei studierte ich noch, habe viel Sport gemacht, bin häufig gereist und war auch regelmäßig auf coolen Events und Partys. Aber trotz dieser Umstände war ich relativ unglücklich, die tieferen Gründe dafür haben hier jetzt keinen Platz.

Irgendwann verlor ich dann meinen Job, und das war auch ungefähr zur selben Zeit als ich mein Haus verkaufte. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich auch in einer finanziell stabilen Lage und beschloss darum, eine Auszeit zu nehmen. So kam es, dass ich ganze zwei Jahre nicht gearbeitet habe. Und es war die beste Therapie für mich, die ich je hätte machen können. Während dieser Zeit habe ich erst so richtig mit dem Reisen angefangen, mich in Europa verliebt und beschlossen, nach Berlin zu ziehen.

Deutschland als neuen Wohnort zu wählen, war unter anderem auch deshalb naheliegend, weil ich hier relativ gute Chancen hatte einen Job zu finden. Die zentrale Lage ist außerdem die optimale Basis zum Reisen durch ganz Europa. Irgendwie bin ich auf jeden Fall dann in Berlin gelandet (fast wäre ich nach München gezogen!), und ich habe die Entscheidung nie bereut. Ich weiß, dass sehr viele Leute Dasselbe fühlen, aber Berlin ist einfach “ich” und hier fühle ich mich am allermeisten zu Hause.

Blogger of the month - Interview with Cheryl Howard

By the way: In einem sehr netten und exklusiven Interview haben wir uns mit Cheryl Howard unterhalten und über viele Dinge gesprochen. Schau dir das ganze Interview an in unserer Rubrik Blogger of the month.

Die „Berliner Schnauze“…

Ich muss sagen, Kanadier sind einfach viel freundlicher als Deutsche. Es ist nicht so, dass Deutsche generell unfreundlich sind (wobei die berüchtigte Berliner Schnauze schon echt hart sein kann), sie sind einfach weniger gesprächig als Kanadier. Wann auch immer ich nach Hause fahre, merke ich sofort den Unterschied. Jeder entschuldigt sich sofort, wenn man sich nur unabsichtlich berührt oder fragt wie es einem geht. Obwohl ich die meiste Zeit meines Lebens in Kanada verbracht habe, fühlt sich die Freundlichkeit mittlerweile sogar für mich schon fast seltsam an.

Weitere Unterschiede? Deutsche und auch die meisten anderen Europäer nehmen ihre Urlaubstage SEHR ernst. Da ich aus einem Land komme, in dem es nur 2-3 Wochen Urlaub pro Jahr gibt, sind diese 5-6 Wochen für mich kaum zu glauben. Letztes Jahr habe ich es nicht einmal richtig geschafft, meine Urlaubstage aufzubrauchen. Was ich an Deutschland auch besonders liebe, ist, dass Obst und Gemüse in Deutschland nur saisonal erhätlich sind.  

…und andere kulturelle Unterschiede.

Mich mit den kulturellen Unterschieden anzufreunden, war auf jeden Fall ein bisschen schwieriger als gedacht und es hat eine Weile gedauert, bis ich herausgefunden habe, welche es eigentlich sind und wie ich damit umzugehen habe. Dabei geht es nicht nur darum, dass man beispielsweise in der deutschen Sauna vor allen anderen nackt ist (definitiv eine neue Erfahrung für eine Person, die in einem konservativ-christlichen Haushalt aufgewachsen ist) bis zu Schwierigkeiten beim Small Talk oder die Art, wie ein Arzt dich untersucht.

Während manche Dinge anfangs schockierend scheinen, hat es mir eigentlich immer geholfen, Fragen zu stellen, versuchen zu verstehen, geduldig zu sein und gewisse Situationen nicht als Weltuntergang anzusehen. Man sollte sich immer klar machen, dass man in einem neuen Land bist, in dem Dinge einfach anders laufen und deswegen versuchen, mit den Hürden umzugehen. Es hat mir geholfen, einfach nicht zu erwarten, dass die Dinge so laufen, wie man es gewohnt ist. Am besten versucht man, mit mit den ungewohnten Zuständen Spaß zu haben und einfach mal ein bisschen mit dem Strom zu schwimmen.

Ich wurde auch oft gefragt: “Hey Cheryl, findest du es einfach, dich mit Deutschen anzufreunden?”. Und ich muss sagen, ja! Nachdem ich mit Deutschen arbeite und auch viele andere über die Jahre in Bars oder Cafés kennen gelernt habe, fällt es mir mittlerweile leicht, mich mit ihnen zu connecten. Irgendwie habe ich die Fähigkeit relativ leicht Freunde zu finden, und das, obwohl mir zuvor viele Leute gesagt haben, dass Deutsche ein unfreundlicher Haufen sind und es schwierig ist, sie kennenzulernen. Ich kann das absolut nicht bestätigen und freue mich, mit vielen Deutschen befreundet zu sein. Lies dazu gern meinen Artikel darüber, wie man nach dem Umzug nach Berlin Freunde findet.

Obwohl es mir mittlerweile leichter fällt, kulturelle Unterschiede zu verstehen, ist besonders eine Sache für mich immer noch ein bisschen ungewohnt: in Berlin wird überall Akohol verzerrt. Das würde es in Kanada niemals geben. Egal zu welcher Uhrzeit, es ist absolut nicht ungewöhnlich, dass man sich in den Öffentlichen Verkehrsmitteln ein schnelles Bier gönnt.

Umzug nach Berlin. Hin, zurück. Und wieder hin!

Expat Berlin Guide by Cheryl Howard
Quelle: instagram.com/cherylhowardblog/

Das erste Mal bin ich 2011 nach Berlin gezogen und 18 Monate später wieder weggezogen. Der Umzug brach mir das Herz und ich habe hart dafür gearbeitet, wieder zurückkehren zu können. Glücklicherweise habe ich es zwei Jahre später auch geschafft. Es gab keinen besonderen “Aha” Moment, aber ich habe sofort wieder in mein altes/neues Leben zurückgefunden. Es war, als wäre ich nie weg gewesen! Die Zufriedenheit, die ich verspürt habe, war teilweise so überwältigend, dass ich konstant in einem sehr emotionalen Zustand war. Obwohl es auch schwer war, Toronto ein zweites Mal zu verlassen, war mein erneuter Umzug nach Berlin einfach die richtige Entscheidung.

Berlin hat mir so viel beigebracht. Es ist so eine vielfältige und offene Stadt. Berlin ist auf keinen Fall perfekt, aber es ist der Ort, an dem ich mein bestes Ich sein kann. Ich muss sagen, ich finde es auch nicht unbedingt einfach hier zu leben. Wer hier etwas erreicht, der hat es wirklich geschafft.

Auch ich habe lange gebraucht, um dorthin zu kommen, wo ich jetzt bin. Ich hatte sehr zu kämpfen! Aber mittlerweile kann ich mich eigentlich gar nicht beschweren. Ich liebe meine Jobs (tagsüber bin ich Agile Coach und nachts Reisebloggerin), habe einen tollen Freundeskreis und die Chance, sehr viel zu reisen. Vermutlich werde ich sehr bald auch eine unbefristete Aufenhaltsgenehmigung bekommen! Und natürlich hat Berlin auch meine Garderobe beeinflusst… sie besteht fast nur aus schwarzen Klamotten! Ich trage kaum mehr Farbe und sehe aus, als würde ich jederzeit einen Abstecher ins Berghain machen;)

Was passiert nach der rosaroten Berlin Brille?

Zu Beginn muss ich eines klarstellen – ich liebe Berlin wirklich. Aber natürlich gibt es auch hier Hürden, die man überwinden muss. Denn den perfekten Ort gibt es nicht und auch hier legt man seine rosarote Brille irgendwann ab. 

Diese Honeymoon-Phase ist bei mir lange vorbei, immerhin bin ich fast sechs Jahre hier. Ich habe sogar angefangen, mich auch über jede Kleinigkeit zu beschweren, so wie jeder Berliner das macht. Die kleinen Frust-Bringer des Lebens in der Hauptstadt beinhalten beispielsweise unzuverlässige öffentliche Verkehrsmittel, steigende Mieten und das Zurechtkommen mit der Bürokratie.

Meine TOP 3 Horrorszenarien in Berlin:

  • Sich durch die Bürokratie kämpfen – beispielsweise das Anmelden einer Adresse oder das Eröffnen eines Bankkontos.
  • Die Sprachbarriere – egal, was andere sagen, man sollte Deutsch können, wenn man plant hier zu wohnen.
  • Das Arbeiten in der turbulenten Startup-Szene and das ständige Wechseln von Jobs mehrere Male innerhalb von drei Jahren. Jeder neue Job hieß auch ein erneutes Beantragen eines Visas und es war jedes Mal aufs Neue eine Zerreißprobe.

Meine TOP Tipps für Neulinge und Wannabes

Berlin Newbies sollten einfach genießen, was die Stadt zu bieten hat – Kunst und Kultur, Essensvielfalt aus aller Welt, unglaubliches Nachtleben und dann auch noch Natur – ob es Sonnenbaden im Park ist oder Schwimmen in einem der wunderschönen Seen.

Man sollte auf jeden Fall vermeiden, nur mit internationalen Freunden abzuhängen. Dann verpasst man wirklich etwas! Man sollte auch versuchen, nicht nur Englisch zu sprechen.

Was auch nicht gern gesehen ist, ist vorzugeben sich in Berlin auszukennen und anderen zu erzählen, wie gut man Berlin kennt, wenn man eigentlich erst ein paar Monate hier ist. Viele Neulinge haben sich lustig gemacht, als sie erfahren haben, dass ich in Lichtenberg wohne und nicht in Prenzlauer Berg oder Kreuzberg. Ich finde es schwierig, solche Urteile zu akzeptieren. Immerhin haben sie keine Ahnung, dass ich eine große Wohnung habe, weniger Miete zahle als die meisten und in den meisten coolen Kiezen in 15-20 Minuten bin.

Meine 3 TOP Empfehlungen für alle, die nach Berlin ziehen wollen:

  • Bereite dich gut vor, bevor du hierher kommst. Finde heraus, was du machen sollst und wie und mache erst dann Pläne. Es ist auch mittlerweile nicht so schwierig, da man alles online finden kann, ob auf Blogs oder offiziellen Webseiten bis hin zu Facebook Gruppen. Es gibt auch einige professionelle Anbieter, die dabei helfen, dir deinen Start in Berlin ganz einfach zu machen.
  • Melde dich für einen Deutschkurs an. Am besten noch bevor du hierherkommst oder sobald du ankommst. Das ist wirklich unverzichtbar!
  • Der finanzielle Puffer. Du wirst ihn brauchen! Solltest du in deiner Probezeit gekündigt werden, kann es passieren, dass du nur den Lohn für zwei Wochen bekommst und wenn du weniger als ein Jahr hier warst, bedeutet das auch, dass du keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hast. Wenn du hierzu Hilfe suchst, lese meinen Guide zur Jobsuche in Berlin.

In Berlin leben? Heißt ganz Europa easy kennenlernen.

Ich versuche pro Monat eine kleine Reise zu machen. Diesen Sommer habe ich mir vorgenommen ein bisschen mehr von Deutschland zu sehen und ich habe ein paar Wochenenden in Lüneburg und Bremen verbracht. Besonders Bremen hat mir gefallen, beispielsweise das Schnoorviertel, denn es sieht aus wie aus einem Märchen. Auch das Gebiet unten am Fluss hat mich beeindruckt, dort habe ich sogar auf einem alten Segelschiff, das an der Weser geparkt war, zu Abend gegessen.

Mein absolut liebstes Reiseziel war aber immer schon Budapest, wo ich auch diesen Februar wieder war. Vermutlich war ich dort jetzt schon über zehn Mal. Das Stadtbild ist absolut umwerfend, die Ruinenbars sind ungefähr die coolsten Orte, an denen man abhängen kann, und es gibt so viele seltsame und unkonventionelle Dinge, die man unternehmen kann. Wie zum Beispiel eine Tour im Dunkeln, um herauszufinden, wie sich das Leben für Menschen mit Sehbehinderung anfühlt („Invisible Exhibition”) oder stundenlang Flipper im Flipper Museum zu spielen. Lies dazu meinen Wochenend-Guide für Budapest.

Und wenn ich eine kleine Pause von Berlin brauche, dann verschnaufe ich im Vabali Spa. Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, irgendwo anders als in Berlin zu sein. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt? Für alle Interessierten lest hier meinen Guide zum Wohnen in Berlin.

Übrigens: Wir hatten ein ganz tolles Gespräch mit Cheryl Howard in unserer Kategorie Blogger of the Month. Zum ganzen Interview mit der Berlin-Zugezogenen hier entlang.

Wer hier eigentlich schreibt: Diesen wunderbaren Erfahrungsbericht über das Auswandern nach Norwegen mit der ganzen Familie schrieb Alexandra von Levartworld. Auf ihrem Familien Reiseblog berichtet die zweifache Mama über’s Reisen mit Kind – und zwar fernab vom All inclusive Urlaub. Doch nun hat sich Alexandra mit ihrer Family an ein neues Abenteuer gewagt: Sie verlassen ihre gewohnte Heimat und ziehen nach.. Norwegen. Lies hier, was Alexandra erlebt und wie sich ein Umzug in ein neues Land anfühlt.

Alle Kisten sind gepackt und im Lagerraum verstaut. Wir haben kein gemütliches Zuhause mehr, welches eingerichtet auf unsere Rückkehr wartet. Kein Wohnzimmer mit einem Sofa. Kein chaotisches Kinderzimmer. Stattdessen verbringen wir die nächsten Wochen in einer kleinen Ferienwohnung und warten auf eine ungewisse Zukunft in einem fremden Land.

Auswandern nach Norwegen – Wir sind dann mal weg!

Wir ziehen nach Norwegen - Erfahrungsbericht von Levartworld
 Foto Quelle: levartworld.de

Wir haben beschlossen, nach Norwegen umzuziehen und uns auch spontan ein Haus im Internet gekauft. Das Bauchgefühl stimmt. Jetzt heißt es warten und hoffen, dass diese Entscheidung die Richtige ist.

Mein Freund und ich haben monatelang überlegt, welchen Schritt wir gehen sollen. Ein Haus kaufen und einen Neuanfang wagen, an einem Ort, an dem das Leben sich nach Urlaub anfühlt? Oder unsere Ersparnisse lieber auf den Kopf hauen und die Welt bereisen? Eines war auf jeden Fall klar. Wir brauchen einen Tapetenwechsel, wir möchten eine neue Sprache lernen und auch mal im Ausland leben. Das war schon immer ein Traum von uns.

Diese Entscheidung wurde uns leicht gemacht, als ich einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt. Wir bekommen unser zweites Kind und sind überglücklich. Reisen mit Baby ist gar kein Problem und die Elternzeit ist dafür eine tolle Gelegenheit. Mit unserem Sohn haben wir das alles aber schon erlebt. Es wird also Zeit etwas Neues auszuprobieren. Wir ziehen nach Norwegen.

Unsere Kinder sollen an einem schönen Ort aufwachsen, umgeben von endlosen Wäldern, Bergen, glasklaren Seen und sauberer Luft. Wir möchten alle vier Jahreszeiten aktiv erleben. Skifahren im Winter, Wandern im Sommer, uns entschleunigen, runterkommen, ein einfaches, glückliches Leben führen und ganz viel Zeit gemeinsam in der Natur verbringen. In Norwegen haben wir schon viele Urlaube verbracht. Wir lieben die Ruhe, die das Land ausstrahlt und ohne lange zu zögern wissen wir sofort, wohin unsere Reise geht.

Hauskauf in Norwegen – kein einfaches Unterfangen

Norwegen Erfahrungsbericht von Alexandra von Levartworld - Hauskauf
 Foto Quelle: levartworld.de

Während der Babybauch vor sich hin wächst, fangen wir an zu recherchieren. Welche bürokratische Hürden kommen auf uns zu? Welche Kriterien soll unser norwegisches Traumhaus erfüllen? An welchem Ort möchten wir leben?

Ich bin selbstständig und kann von überall auf der Welt aus arbeiten. Die perfekte Voraussetzung für einen Neuanfang in einem fremden Land. Doch mein Freund hat ein Unternehmen in Deutschland und wird fast jede Woche für etwa zwei bis vier Tage pendeln müssen. Unsere Ausgangssituation ist nicht ideal aber wir nehmen die Herausforderung an. Nach unzähligen Abenden und vielen Unterhaltungen haben wir einen perfekten Plan ausgetüftelt. Was jetzt folgt, sind die emotionalsten Wochen unseres Lebens.

Wir fliegen einige Male in unsere neue Heimat. Schauen uns verschiedene Immobilien an, doch wir haben kein Glück. Meist ist jemand anders schneller als wir oder bietet mehr, als wir uns leisten können. Nach fünf gescheiterten Hauskaufversuchen geht uns langsam die Puste aus.

Wir haben es eilig, sind demotiviert und haben kaum noch Energie für stundenlange Recherchen und Hausbesichtigungen. Einen letzten Versuch wollen wir noch wagen, als wir das hübsche, weiße Holzhaus am Waldrand finden.

Uns ist klar, dass sobald die Besichtigung der Immobilie stattgefunden hat, der Preis wieder von anderen Käufern in die Höhe getrieben wird. Wir ändern unsere Strategie, umgehen den in Norwegen üblichen Angebotsprozess, an dem wir schon so oft gescheitert sind und nehmen direkt Kontakt mit dem Verkäufer auf. Der Hausbesitzer ist uns sofort sympathisch und hat es sehr eilig, das Haus zu verkaufen.

Der Wahnsinn – Ein Hauskauf ohne Besichtigung

Das neue Zuhause für die Familie - Norwegen Erfahrungsbericht von Alexandra von Levartworld
 Foto Quelle: levartworld.de

Unser Entschluss ist schnell gefasst und wir unterzeichnen die Verträge, ohne das Haus jemals besichtigt zu haben. Ein wahnsinniges Gefühl! Ich spüre unglaublicher Freude, Erleichterung, Glück aber auch etwas Sorge und leichte Panik, über eine blinde Investition und eine ungewisse Zukunft. Es ist ein Risiko, doch es fühlt sich richtig an. Das Bauchgefühl stimmt noch immer.

Was uns erwartet, dass wissen wir nicht. Doch eine Entscheidung zu fällen und umzusetzen ist besser und fühlt sich auch deutlich besser an, als keine Entscheidung zu fällen und ständig darüber zu grübeln, was gewesen wäre, wenn wir diese Entscheidung getroffen hätten. Wer sich verlaufen hat, kann zurückkehren. Ein begangener Weg lässt sich korrigieren. Ein nicht begangener Weg hingegen bleibt für immer ein Mysterium.

Alle Kartons sind gepackt – Es geht los Richtung Norden

Norwegen Erfahrungsbericht von Alexandra von Levartworld - Der Umzug
 Foto Quelle: levartworld.de

Der Kaufvertrag ist unterschrieben, der Umzugstermin steht. Wir verladen unsere Sachen in einen Transporter und rollen bei Sonnenschein der Zukunft entgegen. Unser ganzes Leben hat in einem kleinen Transporter Platz. Wir können es kaum erwarten die Grenze zu überschreiten, die Staus auf den deutschen Autobahnen hinter uns zu lassen und unser neues Zuhause kennen zu lernen.

Auf dem Weg zum neuen Haus haben in meinem Bauch Angst und Freude einen schlimmen Streit. Ich habe Angst davor zu scheitern, Angst davor, dass unser Traumhaus gar kein Traumhaus ist und Angst vor finanziellen Verlusten. Aber gleichzeitig bin ich überglücklich, dem Stress in Deutschland zu entkommen und jeden Tag den magischen Wäldern, Bergen und glitzernden Seen ganz nah zu sein.

Als wir unser neues Zuhause zum ersten Mal sehen, fällt uns ein Stein vom Herzen. Es ist schöner als erwartet. Das hübsche, weiße Holzgebäude ist modern und frisch renoviert. Es riecht angenehm nach Holz und auch die beiden Kinderzimmer haben schon die passenden Wandfarben. Von unserem Grundstück können wir den See sehen. Hinter uns sind Wald und Berge. Es ist einfach perfekt! Ich fühle mich wie im Märchen und wir sind überglücklich.

Der erste Schultag in Norwegen

Schulwechsel in Norwegen - Erfahrungsbericht von Levartworld
 Foto Quelle: levartworld.de

Wir kommen langsam an in unserem neuen Leben und es fühlt sich wie Urlaub an. Die ersten Tage verbringen wir damit, unsere Umgebung und die Wälder und Seen zu erkunden, die Nachbarn kennenzulernen und natürlich auch unseren Sohn einzuschulen, der in Norwegen die fünfte Klasse besucht.

Für unseren kleinen Weltenbummler war der Umzug besonders aufregend. Er verlässt seine altbekannte Schule und seine Freunde. Seine Gefühle sind zwiegespalten. Auf der einen Seite freut er sich auf das neue Leben im Ausland. Auf der anderen Seite ist ihm auch bewusst, dass er seine Freunde vermissen wird.

Eriks Schulalltag auf dem Gymnasium in Düsseldorf war durch Zensuren, Tests, Klassenarbeiten und unzählige Stunden hinter dem Schreibtisch geprägt. Der Leistungsdruck war stark und Zeit zum Spielen und einfach nur Kind sein, sehr knapp.

In Norwegen ist das Schulsystem anders, was mit ein Grund für unseren Umzug war. Es ist in drei Stufen aufgeteilt. Die Grundschule (Klasse 1 bis 7), die Sekundarstufe I (Klasse 8 bis 10) und die Gymnasiale Oberstufe (Klasse 11 bis 13). Noten gibt es erst ab der 8. Klasse. Kritische Stimmen meinen, die lange Zeit bis zur ersten Note würde den individuellen Entwicklungsstand der Schüler einschränken. Die meisten Bildungsexperten loben jedoch das norwegische Modell, das auf dezidierten Praxisbezug sowie die Entwicklung von sozialen Kompetenzen setzt.

An Eriks neuer Schule gibt es keine 500 Schüler, wie auf der Schule in unserer alten Heimat, sondern nur 35. Im Sommer verbringen die Kinder viel Zeit draußen und lernen den Schulstoff sehr praxisnah. Jeder so, wie er es am besten kann. Die Kinder suchen nach giftigen Pflanzen für den Biounterricht, bauen gemeinsam eine Holzhütte und in Sport stehen Mannschaftsspiele auf dem Plan. Auch eine Skiabfahrt mit Schlepplift befindet sich hinter dem Schulgebäude für die Pausen und den Sportunterricht im Winter.

Die Kinder sollen ihre Kreativität entfalten, ihre Stärken erforschen und ihre Leidenschaften finden. Der Lernstoff kommt dabei nicht zu kurz und die Schüler verfügen über ähnliches Wissen, wie in Deutschland.

Um Schulsachen, Stifte, Bücher und Co. brauchen wir uns in Norwegen auch nicht kümmern. Jedes Kind bekommt Schulmaterialien kostenlos von der Schule gestellt. Auch hochwertige Tablets von Apple und Notebooks stehen für alle Schüler bereit und sind ein fester Bestandteil des Unterrichts, auch schon für die ganz Kleinen.

Die Verständigung, trotz fehlender Norwegischkenntnisse, klappt in den ersten Schultagen auch sehr gut. Unser Kind wird mit offenen Armen empfangen und in die Klassengemeinschaft aufgenommen. Mit ganz viel Englisch, Händen und Füßen, sind die ersten Tage an der neuen Schule schnell überstanden und Erik ist glücklich.

Unser Fazit nach einem Monat in Norwegen

Nun sind schon einige Wochen vergangen. Unser neues Zuhause fühlt sich wie ein Zuhause an und das Leben in Norwegen immer noch, wie Urlaub. Jeden Morgen, wenn ich mit meiner Tasse Tee auf der Terrasse stehe und in den Wald oder auf den See blicke, überkommt mich ein unglaublich wohliges, geborgenes Gefühl und eine gewaltige Ladung Freude. Wir haben alles richtig gemacht und ich bin mir sicher, dass diesen Schritt jeder gehen kann. Du brauchst nur eine Portion Mut, Risikobereitschaft und ganz viel Willensstärke und Kampfgeist, um deine Träume Wirklichkeit werden zu lassen.

Auswandern nach Norwegen - weitere Leseempfehlung

Lies auch den wunderbaren Erfahrungsbericht von Maike von Worte und Taten, in dem sie über das Alleinreisen als Frau durch Osteuropa schreibt. Super anschaulich und herrlich ehrlich geschrieben..