Egal, ob der liebe Gruß aus den Ferien, die nette Geste zum Geburtstag oder einfach coole Fotos mit gemeinsamen Erinnerungen – die Postkarte gilt als Allrounder! So verbindet sie auf klassischem Wege zwei Menschen miteinander und liefert neben einem tollen Motiv auch gleich ein liebes Wort und ein Vintage-Gefühl. Doch von den Anfängen der Ansichtskarte bis zu den Postkarten, wie wir sie heute kennen, ist sehr viel Zeit vergangen. 

Wir feiern 150 Jahre Postkarte und werfen einen Blick auf ihre lange, bewegende Geschichte zum heutigen Must-Have im Urlaub und Co.

Die Geschichte der Postkarte: Der Anfang

Die Geschichte der Postkarte zeigt in den einzelnen Ländern Gemeinsamkeiten auf, doch gibt es durchaus auch länderspezifische Unterschiede. Im deutschsprachigen Raum wurde der Deutsche Zollverein gegründet, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der zersplitterten Kleinstaaten des Deutschen Bundes zu verbessern. So wurden zunächst Gewichte, dann Währungen standardisiert, um die angebotenen Leistungen besser vergleichen zu können. 

Im Zuge allgemeiner Vereinheitlichungen erfolgte 1865 die Einführung von Postanweisungen und Offenen Karten, diese gelten gemeinhin als Vorgänger der Postkarte. Allerdings konnte man nicht viel mehr als die Anschriften von Adressat und Absender sowie Ort, Datum und Unterschrift unterbringen, denn in erster Linie waren diese für Benachrichtigungen im Geschäftsverkehr oder als Bestellbestätigung gedacht. Diese sogenannte „offene Versendung“ war hingegen sehr günstig und kostete nur vier Pfennig. 

Zeitgleich machte der Postdirektor Heinrich von Stephan dem Deutschen Postverein den Vorschlag, eine Postkarte einzuführen, um den Postverkehr zu vereinfachen und zu verkürzen. Dieser Vorschlag nahm weiter Fahrt auf – doch nicht ohne zunächst auf erhebliche Widerstände zu stoßen.

Widerstand gegen die Postkarte

Wenngleich die vom Postdirektor dargelegten Vorteile eindeutig waren, so entstanden auch Bedenken. So war zum Beispiel die Post zunächst wenig überzeugt, da der Versand der Postkarte als offenes Postblatt nur noch ein Drittel des Portos betragen sollte und so zu deutlichen wirtschaftlichen Einbußen führen würde. 

Den Siegeszug und die Geschichte der Postkarte konnten diverse Widerstände dennoch nicht aufhalten und so führte am 1. Oktober 1869 in Österreich-Ungarn schließlich zu der Einführung der Postkarte als Correspondenz-Karte. Ab 1870 dann auch im Norddeutschen Bund, sowie den süddeutschen Gebieten.

Die Postkarte setzt sich durch

Der Erfolg war unter anderem darin begründet, dass die Zustellung der Karten sogar an Feiertagen erfolgte, durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes auch weiter entfernte Empfänger erreicht werden konnten und der Empfänger die Karte bereits am nächsten Tag erhielt.

Auch wenn die beliebte Postkarte zuerst nur innerhalb des Landes verschickt werden konnte, wurde sie nach Gründung des Weltpostvereins auch innerhalb Europas und ab 1878 ebenso weltweit zur Kommunikation eingesetzt.

Die Gestaltung der Postkarten

Auf der damals üblichen Form der Postkarte wurde auf der einen Seite die Adresse des Empfängers geschrieben und auf der Rückseite die Mitteilung notiert. Dass es sich bei der Postkarte, so hieß sie in Deutschland offiziell seit 1872, in der Tat um ein Medium für kurze Nachrichten handelte, wurde spätestens dann klar, als man verschiedene Darstellungen platzierte. 

So kam es schon bald in Mode, die eine Seite mit Grafiken, Mustern oder Zeichnungen zu verschönern. Es gab auch gemalte Ansichten und mit dem Aufkommen von Daguerreotypie und dann der Fotografie fanden auch realistische Abbildungen auf den Karten Platz. Da die Vorderseite weiterhin vollständig für das Anbringen der Adresse reserviert war, wurde der zum Schreiben zur Verfügung stehende Platz geringer und die Mitteilungen demzufolge noch kürzer. Das tat dem Zuspruch allerdings keinerlei Abbruch. Frei nach dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“ wurde nun um das Foto herum geschrieben oder daneben gezwängt. 

Das änderte sich in Deutschland erst 1905, als auf der Seite des Adressaten nunmehr ein Teilungsstrich eingeführt wurde. Damit wurde nicht mehr die bebilderte Seite beschrieben, sondern der Text neben die Empfängeradresse gesetzt.

Die soziale Funktion der Postkarte

Bereits in ihren jungen Jahren war die Postkarte als Kommunikationsmittel unabdingbar. Im Zuge der Industrialisierung und der einhergehenden Landflucht gab es ein gesteigertes Kommunikationsbedürfnis, dem durch die Einführung der Postkarte bestens Rechnung getragen wurde, da Mobilität und Zeit immer wichtiger wurden.

Die niedrigen Portogebühren einer Postkarte ermöglichten es, stetig mit den Verwandten und Freunden in Kontakt zu bleiben, auch wenn sie viele Kilometer entfernt waren. Insofern erfüllte die Karte also durchaus eine wichtige soziale Funktion.

Und auch heute verbindet die allseits beliebte Postkarte Menschen miteinander und “liefert” eine Nachricht. Selbst in einer Zeit, in der wir auf E-Mail, SMS, WhatsApp oder andere elektronische Medien zurückgreifen können, schreiben wir aus dem Urlaub gern Postkarten, um lieben Menschen aus der Ferne einen Gruß zu schicken.

Geschichte der Postkarte: Happy Birthday, Postkarte!

Die Postkarte hat eine aufregende Geschichte zu erzählen! Und auch derzeit befindet sie sich in einer spannenden Zeit: Zwischen E-Mails und Social Media vermittelt sie uns ein ganz besonderes Gefühl der Vertrautheit – der aufregende Moment, wenn der Briefkasten geöffnet wird und eine Grußkarte zwischen den anderen Sendungen ist. 

Heutzutage sind die Karten individueller und personalisierter als je zuvor: Mit eigenen Fotos vom Smartphone und persönlichen Worten versehen, erlangt die Postkarte eine neue Form von Individualität und verbindet so den digitalen Aspekt mit dem analogen Charme einer Grußkarte.

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Engländerin und Wannabe-Deutsche - denn wie könnte man sich nicht in ein Land verlieben, in dem Worte wie “Kummerspeck” hinter jeder Ecke lauern? Ich liebe es, zu reisen und die Kuriositäten verschiedener Länder zu entdecken - und der beste Weg sich an diese zu erinnern, ist natürlich per Postkarte!

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